Roskilde-Festival: Großes Line-up, noch größere Sorgen
Es gilt als das jährliche Highlight in Roskilde: Wenn Tausende internationale Besucher von überall her in die 80.000 Einwohner zählende Stadt im Seeland Dänemarks strömen, bepackt mit großem Rucksack, Zelt und reichlich Alkohol, dann steht das alljährliche – weit über die dänischen Landesgrenzen hinaus bekannte – Musikfestival vor der Tür. Auch dieses Jahr konnten die Veranstalter bekannte Acts für das viertägige Spektakel gewinnen: Oasis, Coldplay, Lil Wayne, Kanye West, Pet Shop Boys, Nick Cave & The Bad Seeds stehen unter anderem auf dem illustren Festivalplakat.
Und doch scheinen sich einige dunkle Wolken über dem Zelt der Festivalverantwortlichen auszubreiten: Die Wirtschaftskrise plagt die Veranstalter, die Angst vor Zuschauereinbussen geht um. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt, sind es vor allem die isländischen Festivalgänger – deren Land wie kein anderes von der Krise arg durchgeschüttelt wurde -, die gezwungenermaßen im Kollektiv auf eine Reise nach Dänemark verzichten müssen: Die isländische Währung ist kaum mehr was wert und daher ist Roskilde für viele unbezahlbar geworden.
Auch die Teilnahme schwedischer Besucher sei höchst ungewiss, schreibt „süddeutsche.de“. Dieser Sorge begegnen die Verantwortlichen aber mit einem ganz besonderen Service: Bustransporte zum Billig-Tarif werden angeboten, um die skandinavischen Musikfreunde ans Festival zu befördern.
Aber auch deutsche Festivalgänger, die früher noch in Scharen über die Ostsee reisten, bleiben lieber in ihren eigenen Gefilden: Das Angebot an deutschen Festivals ist mittlerweile so groß, hochkarätige Bands zieren die Line-Ups – und die Eintrittskarten sind meistens deutlich billiger. Laut dem Online-Zeitungsbericht sei die deutsche Roskilde-Fangemeinde, die einst 15 000 Mitglieder zählte, auf schlaffe 3000 geschrumpft.
Neben dem drohenden Zuschauermangel, sind es die horrenden Gagen der Musiker, die den Verantwortlichen Kopfzerbrechen bereiten. Als mediale Kritik am Festival laut wurde und die Vorwürfe geäußert wurden, warum es die Booking-Leute – im Gegensatz zum ewigen britischen Rivalen Glastonbury – nicht hinkriegen würden, Bruce Springsteen, Depeche Mode oder AC/DC zu verpflichten, reagierte die Musikchefin des Roskilde-Festivals, Rikke Øxner, unverblümt auf die kritischen Worte: Sie hätte es versucht, aber es schlicht nicht geschafft. Die Stars würden immer mehr verlangen, selbst ein Rekordbudget von umgerechnet fünf Millionen Euro würde da nicht ausreichen, betonte sie.
Letzte Kommentare